KOMPONIEREN

«Es ist eine gefährliche Sache, Frodo, aus deiner Haustür hinaus zugehen, du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen»
(Bilbo Beutlin)

Das obengenannte Zitat läßt sich sinngemäß auch auf das Komponieren anwenden, allerdings steht dabei nicht die Warnung vor Gefahren im Vordergrund, höchstens insofern, als das Resultat unter Umständen den vorab gestecken Zielen nicht entspricht. Man hat dann aber immerhin ein Musikstück, das sich vielleicht nicht im ursprünglich geplanten Kontext einsetzen läßt, aber immerhin …

Bilbos Spruch erscheint mir deshalb sehr passend, weil das Komponieren am und mit dem Instrument sehr oft genau diesen Aspekt des «Sich-Tragen-Lassens» beinhaltet. Man hat eine Idee, ein Riff, ein paar Töne, nicht mehr, und plötzlich beginnt die Sache sich zu entwickeln. Neue Teile kommen dazu, werden, verändert, verworfen, von neuem aufgegriffen, und erweitern die Ursprungsidee.

Manchmal blitzt bereits ganz am Anfang die Form komplett auf, man weiß, wie sich die Teile zusammenfügen müssen, auch wenn einige davon noch gar nicht existieren. In anderen Fällen tappt man im Dunkeln, hangelt sich langsam vor und findet hoffentlich irgendwann wieder aus dem Dickicht der Melodien und Motive.

So gesehen ist jedes Stück ein bestandenes Abenteuer, das man glücklich überstanden hat. Und – im Gegensatz zu Bilbos Situation – kann man jederzeit wieder zum Instrument greifen und das Abenteuer noch einmal Revue passieren lassen – oder sich auf ein neues einlassen.

 

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