alt
Die Wochentage
aufgelöst in warmer Milch
zum Frühstück.
Individualität
übertüncht mit lindgrüner Wandfarbe
auf den Gängen -
gelinde Hoffnung
worauf?
Mit Nummern versehen
bereit zum Vergessen.
Ein neuer Tag
- anbrechen wäre das falsche Wort -
sichert herein
langsam, aber unbarmherzig
wie lange noch?
In jedem Zimmer ein Kreuz
eine Uhr
aber die Zeit ist noch nicht abgelaufen.
Medikamente und Gebete
helfen darüber hinweg -
wirklich?
Die Zeit lastet schwer
auf Körper und Geist.
Leben in der Vergangeheit:
der einzige Ausweg?
11. Oktober 1993
Entstanden ist dieses Gedicht während meiner Zeit als Zivildienstleistender in einem Altenheim. Die vorletzte Zeile stammt von dem Song "Living in the past" von Jethro Tull.
Liebe
Deine Liebe ist
wie ein Gewitter im Sommer
das langersehnte, kühlende Naß
auf den ausgedörrten Boden der Seele,
das Gefühle wieder erblühen läßt,
die - totgleglaubt
tief unten schlummerten.
Leider vergißt man dabei
allzu oft
die tödlichen Blitze,
obwohl das helle Holz
der gespaltenen Bäume
weithin sichtbar leuchtet.
25. Mai 1994
Gleichung mit einer Unbekannten
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5. Dezember 1995
Entstanden während eines tristen Dezembertages in einer noch tristeren Unicafeteria. Ein Versuch, der leblosen Mathematik Gefühle einzuhauchen - oder umgekehrt Liebe mathematisch zu beschreiben? Ich weiß es nicht mehr...der Schrägstrich \ wird übrigens in der Mathematik wie "ohne" gelesen.
Für Robert
Neben der Steinmauer
an der Straße
die über den Bach führt,
steht ein Holzkreuz,
brennt ein Totenlicht.
(Robert Irgendwie)
Immer lustig sei er gewesen,
sagen sie.
Ein guter Autofahrer sei er gewesen,
sagen sie.
Wie das nur passieren konnte,
fragen sie.
Ich habe ihn nie gekannt,
aber vielleicht hat er
damals
allein auf der Straße
dasselbe gedacht,
was ich immer denke
wenn ich das Holzkreuz sehe.
Aber während ich noch jedesmal
darüber grüble,
hat er sich schon entschieden.
23. November 1995
Verliebt
Ich bin einmal verliebt gewesen.
Ich weiß gar nicht mehr,
wie das damals war.
Aber es muss wohl schön gewesen sein,
denn ich war ziemlich traurig,
als es vorbei war.
Ich bin einmal verliebt gewesen.
Ich weiß gar nicht mehr,
wie das damals war.
Aber es muss wohl schlimm gewesen sein,
denn ich war ziemlich froh,
als es vorbei war.
Ich bin wieder einmal verliebt.
Ich weiß gar nicht mehr,
wie das damals war.
Aber es muss wohl so sein,
denn ich bin ziemlich
durcheinander.
21. Februar 1996
im zoo
ein
bär
tiger
wärter
1. Mai 1996
nervensäge
dukommsthereinundlegstgleichlos
lärmendpolterndlaut
rücksichtslosaufmerksamkeitfordernd
undredestdochnursinnloseszeug
duredest
undredest
(nervensäge)
duwartestkeineantwortab
rechnestwohlauchgarnichtdamit
dasssirjemandfolgenkann
indeinemredeschwallderdieohrenverstopft
diegedankenverklebt
unddiestilletötet
duredest
undredest
(nervensäge)
duplapperstmunterdrauflos
alsobnichtswäre
alsobohnedichüberhauptnichtslosseinkann
obüberhauptjemandeninteressiert
wasdudasagstistdiregal
duredest
undredest
(nervensäge)
merkstdudennnicht
dasskeinerzuhört
neindukannstesgarnichtmerken
dubrauchstdenganzensauerstoff
zumredennichtzumdenken
duredest
undredest
(nervensäge)
dadererlösendeknalldietüristzu
und
du
bist
weg.
12. September 1996
2:02
Ein paar Walnüsse
ein Gyros
'ne Cola (null-fünf)
zwei Gin-Tonic
und das Gefühl,
dass Du aus meinem Leben verschwinden wirst,
kaum dass wir uns gefunden haben:
mein Magen hat nichts zu lachen
und mir geht's auch nicht besser.
14. Dezember 1996
die entscheidung
du wolltest allein sein
zeit zum nachdenken
entscheiden müssen (wolltest du dich nie)
ich hab das verstanden
(verstehen müssen?)
und bin
gefahren
geflogen
gefallen
durch einen Schacht mit blauen Händen
die nach mir griffen
mich festhielten
mit mir spielten
mich fallenließen
immer wieder
(werden sie mich schließlich auffangen?)
die gefühle
hab ich bei dir gelassen
sind aus mir herausgetropft
wie tränen
(gibst du sie mir wieder?)
kalt
gefühllos
stahlblau wie die hände
die sich nach mir ausstreckten
sind die gedanken
rasend schnell
berechnend
unfähig zu erfassen
zu bergeifen
zu fühlen
gefühllos
(gedankenlos?)
ich wollte versuchen
dich zu verstehen
mich soweit zu verstellen
um mich in deine lage zu versetzen
und hab schließlich verlegen
einsehen müssen
dass ich nicht du sein kann
warten
ohnmächtig
(kann ich dich zu meinem glück zwingen?)
nein
warten
hoffen
ja
23. Mai 1997
Frühling
Bunte Menschen auf den Straßen
in den Wäldern, auf den Wiesen,
eingehüllt in Plastikfasern-
milde Frühlingsluft genießen.
Allenthalben sieht man solche,
welche fest im Sattel sitzen,
wild in die Pedale treten
und aus Leibeskräften schwitzen.
Sieh! die ersten Wiesenblumen,
hier am Wegrand, gelb und rot.
Frühling tönt laut aus dem Radio,
im Auto, das grad überholt.
festgehalten im Frühling 2003